Freitag, 23.12.2016

Zu Hause

Mir kommt es so vor, als ob unser Abschiedsessen bei meiner brasilianischen Freundin Laìs schon mega lange her ist. Dabei saß ich erst vor 4 Tagen mit Leuten aus der ganzen Welt an diesem Tisch und habe brasilianisches Essen gekostet (grüne Bohnen mit einer Käsesoße und so unbeschreibbares komisches Pulver als Beilage - war aber verdammt gut).

Ich denke jetzt mit einem Schmunzeln zurück an meine letzten Tage in meiner zweiten Heimat Joensuu, als ich rätselte, ob ich wohl all meine Sachen in meinen Koffer stopfen könnte...

Es war wirklich eine Herausforderung...

... aber am Ende habe ich sogar meine Gardine untergebracht! xD Ich bin mega stolz auf meine Kofferpack-Technik.

Ich muss sagen, dass meine Traurigkeit sich bis kurz vor Ende in Grenzen hielt, weil ich so viel zu tun hatte, dass ich gar nicht über den bevorstehenden Abschied nachdenken konnte. Ich habe einfach nur noch funktioniert, damit ich alle Erledigungen rechtzeitig abschließen konnte.

Am letzten Abend haben Luna und ich bei Nami übernachtet, damit wir noch ein letztes Mal gemeinsame Zeit verbringen konnten. Erst als der Wecker klingelte, realisierte ich - jetzt ging es Heim! Es war ein seltsames Gefühl. Ein Gemisch aus Trauer, dass mein Auslandsabenteuer rum ist, und Angst vor der ungewissen Zeit des Wiedereingewöhnens in Deutschland.

Und wie erwartet habe ich sogar ein paar Tränen vergossen, als wir drei uns zum Abschied drückten. Nami und Luna haben mir ein kleines Büchlein geschenkt mit Fotos von unseren gemeinsamen Erlebnissen und ein paar Zeilen, die mich so gerührt haben, dass es nicht anders ging. Aber ich denke, es waren eher Freudentränen, weil ich es nicht fassen konnte, wie gute Freundinnen ich gefunden hatte!

Um 8.45 Uhr ging der Flug los nach Helsinki. Mein Koffer hatte 2-3 Kilo Übergewicht und mein Handgepäck war eh viel zu schwer - nichtsdestotrotz musste ich keinen Cent zahlen - ich glaube der Mann am Schalter war schon in Weihnachtslaune und war ziemlich belustigt über den Anblick von mir inmitten einem Berg voller Gepäck, er hat total gegrinst. ;)

Die Aufenthaltszeit in Helsinki betrug 6 Stunden - umso froher war ich, als ich dann endlich um 18 Uhr abends in Deutschland ankam. Uii, endlich konnte man wieder alles um sich herum verstehen! Und es lag kein Schnee mehr!

Das Heimkommen war suuuper schön. In erster Linie, weil ich meine Familie und Freunde endlich wieder bei mir habe. Aber auch, weil ich merke, wie schön eingerichtet mein Heim hier ist - nicht so kahl wie in Joensuu. Ich fühlte mich ein kleines bisschen wie in "Plötzlich Prinzessin."

Ich freue mich wirklich darüber, dass ich mein deutsches Leben wieder aufnehmen kann. Viele sagen, dass man nach einer Zeit im Ausland in ein Tief fällt, weil plötzlich alles so langweilig und normal alltäglich ist. Aber ich glaube, davor werde ich verschont - denn mein Lebensstil an sich ist einfach abenteuerlich. Egal ob ich daheim bin oder auf Reisen.

Und genauso wie mein Finnland-Abenteuer neigt sich jetzt auch dieser Blog dem Ende zu. Danke dafür, dass du meine Einträge verfolgt hast und ggf. auch Kommentare abgegeben hast, über die ich mich immer sehr gefreut habe.

Und falls DU die Chance hast, auch ein Auslandssemester zu machen oder auf irgendeine andere Weise ins Ausland zu gehen - nutze sie!!! Egal wohin du gehst - eine Zeit weg von zu Hause wird dich in positiver Weise verändern.

Was mir das Auslandssemester gebracht hat:

  • Ich fühle mich erwachsener und unabhängiger. Jetzt weiß ich, wie gut ich klar komme, wenn ich komplett auf mich gestellt bin. Dadurch kann ich mir mehr selbst vertrauen.
  • Ich habe das Gefühl, mich besser kennengelernt zu haben. Z.B. habe ich herausgefunden, wo mein Platz ist: bei ESN habe ich mich immer wohl gefühlt. Dort habe ich hingehört.
  • Ich fühle mich international und kann mit fremden Kulturen besser klarkommen. Die Welt ist für mich etwas kleiner geworden, weil ich so viel rumgereist bin und so viele Leute aus der ganzen Welt kennengelernt habe, die mit mir ihre Kultur geteilt haben.
  • Ich habe wertvolle Erfahrungen für meinen zukünftigen Beruf als Lehrer gelernt.
  • Ich fühle mich noch abenteuerlicher, als ich eh schon vorher war. Als hätte mich das Fieber des Reisens komplett gepackt. Ich glaube, ich werde dieses Fernweh nieeee wieder los werden. xD
  • Ich habe Freunde aus der ganzen Welt, und das hat mich selbstbewusster gemacht! Diese Kontakte kann ich dann für spätere Reisen nutzen. :D
  • und und und...!

Ich würde nicht mehr fertig werden, die Vorteile aufzulisten. Hmm... und Nachteile? Fallen mir auf die Schnelle nicht ein. Klar gab es auch schwere Zeiten (Heimweh etc.), aber die haben keine bleibende Wirkung hinterlassen.

 

Also - worauf wartest du? laughing Denn du weißt doch:

"Die Welt ist ein Buch - wer nie reist, liest nur eine Seite davon..."

Freitag, 16.12.2016

Abschieds-Sushi-Party

Seit ich wieder zurück in Joensuu bin, hat sich eine traurige Abschiedsstimmung ausgebreitet. Meine neu gewonnenen Freunde reisen nach und nach ab, wir hatten eine letzte ESN Party und auch ein letztes Treffen unter meinen asiatischen Freunden.

Die meisten Asiaten werden in Joensuu bleiben - sie verbringen hier ein Jahr oder auch länger. Ich bin also die Einzige von uns, die geht - und deshalb haben sie mir eine Sushiparty gewidmet! laughing

Wir haben uns bei Luna getroffen und so viel Sushi gemacht, bis wir platzten. wink Jetzt bin ich sehr geübt im Sushizubereiten - Nami hat es mir super gelernt.

Wir kochten ganz viel Reis - und der musste dann erstmal abkühlen. Nami hatte dafür einen Fächer dabei. Und so saßen wir zwei im Nebenzimmer, während die anderen Vietnamesen weiterkochten. Ich hab dem Reis Luft zugefächert und währenddessen ganz viele Fragen zu der japanischen Kultur gestellt. Ich fand das so toll und interessant! Da hab ich fast gar nicht gemerkt, wie Luna durch den Türspalt hindurch ein Foto von uns gemacht hat. Deshalb schaue ich da so überrascht:

Nami hat gemerkt, wie fasziniert ich von dem Fächer war. Sie hat ihn mir dann geschenkt - sie meinte, sie hätte so viele davon, ich kann ihn ruhig haben. Wie lieb von ihr! smile

Das Witzige war, dass niemand von uns außer Nami eine Ahnung vom Sushimachen hatte, weil Nami die einzige Japanerin war und die anderen waren ja alles Vietnamesen. Wir ahnungslosen Europäer denken ja immer - Asien ist Asien. Aber das stimmt so nicht - die Esskultur ist z.B. eine komplett andere! Und deshalb standen wir erst alle um Nami herum und haben erstaunt beobachtet, wie sie die erste Sushirolle machte. Ich fand das ziemlich witzig! Und dann durften wir uns selbst ausprobieren. Hat ganz gut funktioniert, wie man sieht!

 

Nami sagte, dass sie hier in Joensuu das erste Mal Sushi selbst gemacht hätte. Ihre Familie daheim macht eigentlich nie Sushi selbst, sie gehen zum Sushiessen immer ins Restaurant. Ich war erstaunt darüber, weil Nami ausgesprochen gut Sushi machen konnte!

Als Vorspeise gab es eine Miso-Suppe mit Tofu und als Nachspeise einen Matchakuchen, der ganz wunderbar mit Schlagsahne geschmeckt hat. Ich werde Nami unbedingt um das Rezept bitten und ihn dann für dich backen, wenn du das möchtest. smile

 

Das Schlimmste von der ganzen Abschiesphase ist das Auf-Wiedersehen-Sagen zu Nami und Luna. Bis jetzt hab ich das alles noch ziemlich gut verdrängt, denn noch haben wir ja Zeit, um uns zu Treffen. Jedoch läuft die Zeit ab, und das lässt sich nicht komplett verdrängen. Nami und Luna wollen am Mittwochmorgen tschüss sagen, wenn ich in den Bus zum Flughafen steige - und ich weiß jetzt schon, dass das extrem schlimm für mich werden wird...

Auf jeden Fall bleiben wir in Kontakt und wir werden uns auch hundertpro besuchen, nur haben wir uns einfach so sehr aneinander gewöhnt und die ganzen Abenteuer, die wir zusammen erlebt haben, waren einfach super. Ich bin unendlich dankbar, so gute Freunde gefunden zu haben...

Mittwoch, 07.12.2016

Tag 5 in Lappland - Zurück nach Joensuu

Schon war es Zeit, Lappland hinter uns zu lassen. Den Nachmittag verbrachten wir noch im Spa und stärkten uns mit einer Rentierpizza (sooo lecker!), und dann befanden wir uns auf dem Rückweg.

Draußen war es so eisig, dass die Windschutzscheibe anfror!

Wir waren erst eine kurze Zeit gefahren, als plötzlich jemand im Bus rief: "Aurora!!!"

Aurora Borealis - besser bekannt als "Nordlichter".

Auf einmal sprangen alle auf und starrten aus dem Fenster. Ich hab mich gefragt, ob der Bus gleich zur linken Seite umkippen würde! xD

Tatsächlich - vor unseren Augen waren die Nordlichter zu sehen! Ich konnte mein Glück kaum fassen - in den letzten Tagen haben mir ein paar von unseren Leuten erzählt, dass sie die Nordlichter nämlich schon ganz super gesehen hatten. So sah das dann aus:

Ich hatte sie ja nur ganz leicht beim Schlittenfahren gesehen, deshalb war ich schon ein bisschen traurig. Aber was für ein Wunder, dass ich sie jetzt zu Gesicht bekam!

Nachdem wir uns ständig bewegten, veränderten sich die Nordlichter andauernd - aber der ganze Himmel war voll mit einem langen leuchtendgrünem Band, das sich zwischen den Sternen hindurchschlängelte. Und manchmal waren es auch Wirbel. Die meiste Zeit waren ja Bäume davor - typisch Finnland - aber wenn es mal eine Lichtung gab, hörte man den ganzen Bus "OOOOOOOOOOOH" sagen.

Einer von den drei ESN-Bussen hat sogar angehalten, sodass die Leute Bilder machen konnten. Unserer leider nicht, aber ich habe die Bilder ja trotzdem für dich. ;)

Ich habe während der Reise erfahren, dass die Leute früher dachten, die Nordlichter würden entstehen, wenn die Ahnen oben im Himmel zusammen Fußball spielen. Ein anderer Glaube war, dass sie entstehen, immer wenn ein rennender Polarfuchs mit seinem Schwanz den Boden berührt. Komische Theorien... ;)

Meiner Meinung nach sind die Nordlichter ein wahres Weltwunder. So unbeschreiblich schön - am häufigsten ist die Farbe grün, die anderen Farben sind sehr selten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie so etwas nur existieren kann. Zu gerne hätte ich sie länger bestaunt. Aber wer weiß - vielleicht komme ich irgendwann ja mal wieder...

 

Hier ist ein Rückblick zu der zauberhaftesten Reise meines Lebens:

 

Dienstag, 06.12.2016

Tag 4 in Lappland - oder besser gesagt Norwegen :)

So aktiv der gestrige Tag doch war, so entspannt wurde der heutige. Eigentlich waren wir so ziemlich den ganzen Tag im Bus auf dem Weg nach Norwegen zum arktischen Meer - von 8.30 Uhr bis um 21.30 Uhr.  Unser Reiseführer Janne hat aber versucht, uns den Tag so lustig wie möglich zu machen. laughing

Am Anfang der Busfahrt war es noch dunkel, aber dann ließ sich die Sonne am Horizont allmählich blicken und verfärbte den Himmel in so einem leuchtenden Rot, dass wir nur noch "Oooh" und "Aaah" hervorbrachten immer dann, wenn die Bäume sich lichteten. Janne hat gesagt: "Jetzt habe ich diese Tour schon so oft gemacht - und ich hab ehrlich gesagt den Himmel noch nie so schön erlebt wie heute!" Der Busfahrer hielt extra an, damit wir unsere Fotos schießen konnten.

Nachdem wir immer weiter nördlicher fuhren, wurde die Besiedlung immer dünner und dünner. In Lappland leben durchschnittlich 17 Leute pro Quadratkilometer. Aber im nördlicheren Teil sind es nur 2 Menschen! Ich habe auf der Autofahrt mehr Rentiere als Autos gesehen! Und einmal war sogar ein Elch und ein Polarfuchs zu sehen!

Hier zu leben hat den Vorteil, im Einklang mit der Natur zu leben. Mit jedem Blick aus dem Fenster kann man den atemberaubenden Sonnenaufgang genießen. Jeder kennt jeden und es ist wie eine große Familie. Einmal in der Woche fährt ein Postauto die Hauptstraße entlang (ich glaube, es gibt sogar keine andere Straße als die Hauptstraße xD ) und wirft die Post in Holzkästen am Wegesrand. Als ich die zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich, es wären Futterkästen für die Rentiere! In diesem Video ist so ein Kasten zu sehen:

Janne hat erzählt, dass die nächste Polizeistelle 145 km entfernt ist. Und wenn man ein Baby bekommt, muss man zur Entbindung erstmal 475 km nach Rovaniemi fahren! Der nächste Supermarkt ist 30 km weg.

Mittags hielten wir in einem Dorf namens Näätämö - das war ziemlich an der Grenze zu Norwegen. Das Dorf hat 17 Einwohner! Wir hielten an einem Supermarkt, wo es ganz typisch ist, sich Spareribs zu kaufen und die dann draußen abzunagen.

Manche bevorzugten ein Eis. Egal wie kalt es draußen war.

Und dann näherten wir uns der Grenze nach Norwegen! Es war schon erstaunlich - als wir starteten, standen die Tannen noch dicht an dicht und je nördlicher wir kamen, umso kleiner wurden die Bäume und umso mehr Abstand gab es zwischen ihnen. Aber als wir über die Grenze fuhren, herrschte schlagartig eine ganz andere Vegetation! Sieh dir dieses Bild an: der Zaun ist die Grenze zwischen Finnland und Norwegen. Rechts ist Finnland - Tannenbäume - und links ist Norwegen - die Tannenbäume sind auf einmal weg! surprised

 Kein einziger Tannenbaum mehr...

 

Inwiefern die Norweger anders von Finnen ticken, hat uns Janne so erklärt: Finnen würden ihre Hütte immer gleich neben einem See bauen. Du kannst dir ja denken warum, oder? (Sauna) Aber Norwegern ist das nicht so wichtig - die suchen sich lieber ein Fleckchen mit einer schönen Aussicht! Das ist hier auch viel leichter als in dem flachen Finnland, denn in Norwegen gab es sofort Unebenheiten wie Berge und Hügel zu sehen. Oder eben ein halb vereistes Flussbett...

Die Fahrt ging weiter - es wurde schon langsam wieder dunkel. Wir hatten gerade mal ca. drei Stunden Tageslicht gehabt. -.-  Janne legte Sàmi-Musik auf, die perfekt zu der Landschaft draußen passte. Ein Beispiel gefällig? Hier ein paar Bilder (das erste Bild war ein netter Versuch, leider ist das Bild verwackelt, weil wir uns ja bewegt haben - aber trotzdem finde ich das Bild wunderschön mystisch!)

Und hier die Musik, die wir angehört haben:

Shamaani Duo - Hunka Lunka

Kurz vor unserem Ziel machten wir einen Halt - wie jetzt? - Janne wollte, dass wir bei diesem starken Eiswind auf einen Hügel kletterten? -.- Als ich oben war, konnte ich verstehen warum:

Willkommen in Bugøynes! Es war eine herrliche Aussicht, lass dich aber nicht irritieren - bei uns war es schon viel dunkler. Dieses Foto hat die Reisegruppe gemacht, die ein paar Stunden früher aufgebrochen waren als wir. Ziemlich schade für uns, denn wenn es dunkel wird, kann man die ganze Schönheit nicht so gut wahrnehmen... Aber ich kann ja schummeln und dir die Fotos von der anderen Reisegruppe zeigen:

Bugøynes hat ca. 230 Einwohner. Janne sagte, dass die Leute hier nicht einmal ihre Haustüren abschlossen! Ein Besenstiel vor der Tür ist ein Zeichen dafür, dass man nicht zu Hause ist! Es gibt eine einzige Schule, auf die Erst- bis Achtklässler gemeinsam gehen, wenn ich mich recht erinnere. Nach der 8. Klasse müssen die Kinder in das 100 km entfernte Kirkenes zur Schule gehen. In Bugøynes gibt es zwei Lebensmittelläden und eine Kirche. Es gibt kein Krankenhaus und keinen Doktor - es kommt aber jede zweite Woche ein Arzt in die Stadt.

Ach - öhm... wohnt hier Elsa?

Nee - Elsa ist die Dame, die die Sauna bewirtet (man spricht sich ja hier überall nur mit dem Vornamen an). Die Sauna befindet sich direkt am Strand zum arktischen Meer. Die meisten Leute haben es gewagt und sind von der Sauna ins 3-Grad-kalte Wasser gerannt. Elsa hatte dummerweise keine Dusche zur Verfügung und ich mochte den Gedanken nicht, nach dem Saunagang noch einmal 4-5 Stunden im Bus zurück nach Saariselkä zu sitzen und dann abends ungeduscht auf die Abschiedsparty zu gehen. Deshalb hab ich die Zeit genutzt, um mir das Dörfchen näher anzusehen. Es ist sehr idyllisch hier - Weihnachtsbeleuchtung überall und vor der Schule hat ein Büchereibus gehalten.

Ich hab auch ein Lebensmittelladen besucht. Da war ich schon kurz davor, zwei Postkarten zu kaufen - der Schock an der Kasse: 7 Euro! surprised Öhm... ne danke! Tja, Norwegen ist halt nochmal viel teurer als Finnland. Gell, Simone? smile

Jetzt war es Zeit für die Rückkehr nach Saariselkä. Wusstest du, dass heute finnischer Unabhängigkeitstag ist? Finnland wurde heute quasi 99 Jahre alt! Janne ist da natürlich unglaublich stolz drauf - sieh dir seine Hose an!

Er hat uns dann auf der Rückfahrt die finnische Nationalhymne vorgesungen.

Irgendwie war ich auch stolz, weil ich mich jetzt etwas mit Finnland identifizieren kann. Kaum waren wir über der Grenze, habe ich mich fast schon wieder daheim gefühlt. Norwegen ist Ausland, Finnland ist Heim. xD

Dieser Abend endete wie gesagt mit einer Party. Das war cool, weil ich ja wirklich alle Leute kannte im Club. Schade, dass unser Abenteuer schon wieder fast vorbei war, denn morgenabend würde es "nach Hause" nach Joensuu gehen.

Montag, 05.12.2016

Survival Day - Tag 3 in Lappland

An jedem neuen Lapplandmorgen fragte ich mich, ob ich diese Kälte heute wohl überstehen würde. Und der Montag war eine besondere Herausforderung:

Denn heute würde ich Aktivitäten machen, vor denen ich Respekt hatte: Cross-Country Skiing und Schneeschuhwandern. Beides Dinge, bei denen ich quasi auf mich allein gestellt war. Den Huskyschlitten hat man immerhin noch zu zweit fahren können und die meiste Arbeit haben da eh die Hunde gemacht – aber jetzt war ich ganz auf mich selbst angewiesen, diesen Tag zu überleben - deshalb taufe ich diesen Blogeintrag auf "Survival Day".

 

Cross-Country Skiing

Ich war vorher noch nie Ski gefahren und ich fragte mich, wie ich mich wohl anstellen würde. Cross-Country Skiing heißt auf deutsch "Langlauf" und ist der finnische Nationalsport schlechthin. Um ehrlich zu sein, war mir vorher noch nie wirklich klar gewesen, was Langlauf genau ist.

Wenn das rechte Bein vorne ist, ist der linke Arm vorne. Und wenn das linke Bein vorne ist, ist der rechte Arm vorne. In diesen Rhythmus zu kommen war am Anfang unglaublich schwer.

Und dann habe ich plötzlich eine Kindheitserinnerung gehabt! Siehst du diesen Schneemann auf dem Computerspiel?

Ja genau, der fährt auch Langlauf! Genau dieses Spiel habe ich früher als Kind zur Weihnachtszeit gespielt! Und ich habe das Spiel mit dem Langlauf nie richtig verstanden - ich hab immer verloren. Hätte mir jemand erklärt, was Langlauf genau ist, warum man da immer so komisch hin und her wackelt mit den Armen - vielleicht hätte ich auch mal gewonnen und eine Medaille für die "Weihnachtsolympiade" sammeln können. laughing

Ich war jedenfalls stolz, dass ich dazugelernt hatte. Dennoch - jetzt musste ich erstmal sicher auf den Skiern stehen bleiben. Und der Anfang war ganz besonders schwer, weil man gleich einen kleinen Hügel runterfahren musste. Uns wurde gesagt, dass wir bergab in die Hocke gehen sollen und die Stöcke zum Himmel zeigen sollen. Ich hatte total viel Angst vor der Abfahrt, weil diese auch noch eine Kurve gemacht hat! Deshalb dachte ich, ich fahre gleich in einen Baum rein. Vor lauter Furcht kam ich ins Wackeln und bin gleich zweimal hintereinander hingefallen.

Doch mit der Zeit und ein bisschen mehr Übung habe ich gelernt, dass man keine Angst haben darf, weil man dann erst recht hinfällt. Das Geheimnis ist, den Skiern zu vertrauen. Und siehe da, am Schluss habe ich mühelos bergab fahren können! Und auch dieser Überkreuz-Rhythmus ging immer leichter!

 Sind dir meine Haare aufgefallen?

Die sind wirklich eingefroren! Erstaunlich! surprised

Jedenfalls hat der Langlauf sehr viel Spaß gemacht, vor allem in dieser schönen Umgebung und wieder mal mit einem rosaroten Himmel am Horizont. Ich hätte nicht gedacht, dass Langlauf ziemlich einfach sein würde. Insgesamt bin ich nur dreimal hingefallen, und das finde ich voll in Ordnung. Jedenfalls habe ich gedacht: "Nach dem Skifahren kann ja eigentlich gar nichts Schlimmeres mehr kommen - das Schneeschuhwandern wird bestimmt einfach. Also hab ich den Tag 'survived'!" innocent

   

Survived? Nicht so ganz!

 

Snowshoe-Safari

Es war schon wieder dunkel geworden...

Die Schneeschuhsafari werde ich noch lange in Erinnerung behalten. Im positiven und im negativen Sinne!

Positiv:

  • Ich habe mich einer Herausforderung gestellt! Wir durften zwischen einem Hardcore- oder einem leichten Weg auswählen und ich habe mich fuer Hardcore entschieden. cool Und survived!
  • Mitten in der finnischen Natur! Wir sind einfach so in den tiefsten Wald hineingelaufen, wo der Schnee so tief ist, dass man manchmal drin versinkt. Wenn ich mich mal in einer freien Minute umsah, war ich so fasziniert von dem Anblick von tiefster winterlicher Wildnis! Ich glaubte zu träumen! Leider war das Sichtfeld eingeschränkt, weil es bereits schon wieder dunkel war...
  • Von Huegeln hinunter rutschen! Wenn es bergab ging, haben wir uns einfach in den Schnee gesetzt und sind wie auf einer Rutschbahn nach unten gerutscht! Das hat so Spass gemacht!
  • Vereist! Und wieder sind meine Haare eingefroren. Nami hatte sogar gefrorene Wimpern - das sah voll suess aus - und als ich meine Trinkflasche aus meinem Rucksack nahm, hatte sich darin schon ein dicker Eisklumpen gebildet!

 

Negativ:

  • Es hiess ja nicht umsonst Hardcore! Ganz oft sind wir auf einen steilen Berg hinaufgelaufen. Wäre schon machbar fuer mich gewesen, ich bin ja nicht gerade unsportlich. Das Problem war: ich bin verdammt nochmal nicht hochgekommen! Dabei haben Schneeschuhe doch Spikes, die einen vom Abrutschen abhalten. Aber ich hab das nicht hinbekommen. Es war so rutschig und so steil, dass ich ständig abgerutscht bin, egal wie krampfhaft ich es auch versuchte. Ich hab mich gefuehlt wie ein Hamster im Laufrad - ich kam einfach nicht voran! Zum Glueck haben mir dann immer ein paar starke Jungs geholfen und mich hochgezogen. embarassed Oben angekommen hab ich dann echt eine Verschnaufspause gebraucht...
  • Bloss nicht verloren gehen! Wenn man die Gruppe verliert, dann hat man echt ein Problem. Ich glaube, man haette hohe Chancen zu erfrieren, weil man sich ja echt verlaufen kann. Während dem Schneeschuhlaufen war mir aber warm, weil wir ja quasi Sport gemacht haben. Aber dieser Gedanke, der Natur schutzlos ausgeliefert zu sein, war schon beängstigend. Mir wurde klar, wie mächtig die Natur ist und wie klein und schwach wir Menschen eigentlich sind.
  • Schneeschuhe verlieren! Keine Ahnung wieso, aber mein rechter Schneeschuh ist ganze dreimal von meinem Fuß gerutscht. Das war mir schon peinlich - jedes Mal musste ein Helfer kommen und mir den Schuh wieder anziehen... innocent
  • Sich blaue Flecken holen! Einmal wollte ich von einem Hang hinunterrutschen, aber da war ein Baumstumpf im Weg, an den ich mich mit einem Bein verhakt hab und jetzt hat mein eh schon blaues Knie (wer mich kennt, weiß warum) noch mehr blaue Flecken... innocent

Von der Schneeschuhsafari habe ich leider keine Fotos gemacht (es war ja stockfinster), aber um dir einen Eindruck vermitteln zu können, habe ich diese Bilder im Internet gefunden:

 

 

 Und wie schmeckt jetzt Rentierfleisch?

Nach dem Skifahren bekamen wir eine Elchsuppe. Mein Urteil: Das Fleisch schmeckt sehr ähnlich zum Rind. Lecker! Die Suppe an sich war mir mit zu viel Fleisch und zu wenig Gemuese...

Und nach dem Schneeschuhwandern bekamen wir Rentierfleisch mit Preiselbeeren, Kartoffeln und Gemüse. Sehr gut! smile Aber den Unterschied zwischen Rentier und Elch habe ich nicht gefunden...

 

Waren wir ja schon beim Abendessen total fertig... Aber nichts da - unser Tag war noch nicht zu Ende! Am Abend sind wir - Nami, Luna, die zwei Lettländerinnen und ich nämlich noch Schlitten gefahren.

In Saariselkä gibt es Europas längste Schlittenbahn! laughing Und als wir oben auf dem Schlittenhuegel standen, meinten wir die Nordlichter sehen zu können! Leider war es nur ein grüner nebelartiger Schleier, der immer wieder mal kam und ging. Das Schlittenfahren an sich war super - meine Haare sind zum dritten Mal für heute eingefroren und ich habe mich noch gefragt, ob gefrorene Haare eigentlich brechen können? sealed

In der Nähe von der Schlittenbahn war eine Kirche, die 24 Stunden geöffnet hat. Es war die schönste Kirche, die ich in meinem Leben gesehen habe, obwohl sie so schlicht war. Sie war völlig aus Holz und hatte eine riesige Glasfront hinter dem Altar, durch die man die verschneiten Tannenbäume sehen konnte.

Ich wünschte, du könntest sehen, was ich gesehen habe - aber ich habe zum Schlittenfahren meine Kamera nicht mitgenommen, und das Iphone von Luna und von Nami funktioniert bei starker Kälte nicht, also kann ich es dir nur beschreiben:

Um die Kirche und die Schlittenbahn herum waren immer mal wieder Scheinwerfer oder Straßenlaternen - die winzigen Flocken, die vom Himmel fielen, glitzerten in diesem Licht wirklich und ohne Schmarrn wie Gold- und Silberstaub! Und hinter der Kirche waren drei freilaufende Rentiere, die friedlich im Schnee gruben, um an letzte Grashalme zu kommen. Das war eines der schönsten Anblicke meines Lebens.

Ich liebe die Weihnachtszeit einfach, weil alles so geheimnisvoll und magisch ist. Aber ich dachte immer, dass einfach Glitzerspray auf Weihnachtsdeko gesprüht wird, weil es schön aussieht. Aber dass es einen Grund hat, dass der Schnee in der Realität auch so sehr glitzert wie künstlicher Glitzer - das war mir nie klar gewesen...

 

Tagesausklang mit Sauna

 Kannst du dich noch an dieses Bild erinnern?

 

Seit meiner Ankunft in Joensuu hatte ich mir schon vorgestellt, wie ich in Lappland nach der Sauna in den Schnee hüpfen würde! Kaum zu glauben, dass dieser Tag nun gekommen war. Ein weiteres Zeichen, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist...

Vor dem Schlittenfahren hatte Luna schon mal die Sauna eingeheizt, sodass wir uns dann gleich nach dem Heimkommen aufwärmen konnten. Und ja - diesmal traditionell Finnisch ganz ohne Kleidung!^^ Waren ja auch nur Luna, Nami und ich - das störte uns nicht so sehr. Wir heizten tüchtig ein, mittlerweile halte ich ja schon etwas Hitze aus. Gleich neben der Sauna war ein Hinterausgang, der direkt zu einem kleinen Hang voll unberührtem Schnee führte. Schnell wie der Wind rannten wir zum Ausgang und lachten uns dabei kaputt, unsere Körper dampften sogar, und dann sprangen wir kreischend in den Schnee. Allerdings brachten wir die Tür nicht schnell genug auf, und das sorgte dafür, dass wir schon leider vorher etwas abkühlten. Es war riiiiiiiiiiiiichtig schlimm! Der Schnee war ja voll tief, nicht so wie hier auf diesem Foto! Es war viel schlimmer als das Eisschwimmen. Wir haben das noch zweimal wiederholt und jedes Mal ging es besser, aber trotzdem war es furchtbar kalt! laughing

Was für ein Tag. Ich habe einen Tag noch nie so nützlich verbracht wie diesen. cool

Sonntag, 04.12.2016

Huskies und Rentiere - Tag 2 in Lappland

Die wirkliche Schönheit dieses Ortes offenbarte sich mir erst am nächsten Morgen, als es endlich mal hell wurde. Das Aufstehen fiel mal wieder sehr schwer bei dieser Dunkelheit.

Doch als es erstmal hell war, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Tageslicht war nicht so hell wie sonst, etwas dämmriger, denn die Sonne steht ja zu dieser Zeit nie hoch am Himmel. Wir haben einen ersten Spaziergang durch Saariselkä gemacht. Am Horizont war der Himmel wunderbar rosarot verfärbt. Es lag ungefähr 40 cm Schnee! Bis zum Mittagessen haben wir uns schon wieder müde gefühlt, weil es sehr anstrengend ist, sich mit so viel Kleidungsschichten zu bewegen! wink   

 

 

Huskysafari

Um 14 Uhr wurde es noch aufregender: Huskysafari stand auf dem Plan! Die Huskys standen alle schon in Reih und Glied, als wir ankamen.

Wir durften zu zweit fahren - erst stand ich hinten auf dem Schlitten und Luna saß vorne drinnen und dann auf Hälfte der Strecke umgekehrt. Es war wahnsinnig kalt und zu Beginn haben die Hunde sogar gezittert! Das tat mir sehr leid - ich hoffe, sie werden gut behandelt. Jedenfalls hab ich gar nicht so schnell schauen können, da hat der Aufseher das Signal zum Starten gegeben. Ich hab gar nichts gemacht, die Hunde sind losgeprescht vor lauter Eifer und ich bin gerade noch so auf die Kufen gesprungen!

Die Huskysafari war wirklich ein Highlight der Reise. Wir sind 5 km lang durch die verschneiten Wälder gefahren - mir war zwar richtig kalt, ich meinte schon, meine Finger würden erfieren - aber es hat so viel Spaß gemacht! Vor allem, weil die Hunde auch so begeistert vom Laufen waren. Ein Gespann schafft 32 km pro Stunde und könnte dieses Tempo für 50 km lang halten!

Wenn es mal bergauf ging, sollte man den Huskies helfen, indem man entweder rennt oder mit einem Bein anschiebt. Aber manchmal musste man bremsen, um nicht den Vordermann zu überholen. Das tat man, indem man in die Mitte zwischen den Kufen auf die Bremse tretet.

Es ist öfters passiert, dass die Hunde das gar nicht gestört hat und einfach weitergelaufen sind. Dann musste man mit beiden Beinen fest auf der Bremse auf und ab hüpfen. Und wenn wir mal ganz stehen geblieben sind und man wieder weiterfahren wollte, sollte man einfach nur den Schlitten etwas nach vorne schieben und die Huskies würden loslaufen. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass man die Hunde richtig anspornen muss, so wie ein Pferd. Aber ich hab den Schlitten kaum bewegt - vllt. einen Milimeter - und schon sind die Hunde wieder losgejagt. Beim Bremsen haben sie sich immer fragend nach mir umgedreht, ganz nach dem Motto: "Hey, warum um alles in der Welt bremst du?

Das Fahren an sich hat mir am besten gefallen, aber auch das Sitzen war toll. Vor allem, weil es eine kleine Schanze auf dem Weg gab, durch die wir uns für einen Moment in der Luft befanden!

  

Um uns herum waren ständig irgendwelche Aufpasser, die darauf achteten, dass alles mit rechten Dingen zuging. Das war gut so, denn einmal herrschte ein kleiner Hierarchienkampf zwischen unseren Hunden. Sie haben sich sogar im Geschirr verheddert. Ohne Hilfe hätten wir nicht weiterfahren können.

Nach so einer langer Zeit draußen in der Eiseskälte durften wir uns bei offenem Feuer in einer kleinen Hütte aufwärmen. Wir tranken heißen Saft und mampften Minipulla.

Am Schluss durften wir noch die Huskywelpen besuchen und sie sogar auf den Arm nehmen!

 

Rentiersafari

Die Zeit bis zur nächsten Activity verbrachten wir in unserem tollen Haus vor dem warmen Kamin im Kuschelpullover und mit einer heißen Tasse Tee.

Aber dann ging es wieder raus: auf zur Rentiersafari! Zuerst wurden wir zu einer Ausleihstation für warme Kleidung gebracht.

Was ich schon vorher anhatte:

  • Unterwäsche
  • Socken
  • Thermoleggins
  • Pullover
  • Jeans
  • Schneehose
  • Winteranorak
  • Schal
  • Mütze

Was ich noch zusätzlich bekam:

  • extra Paar kuschelweiche Wollsocken
  • einen megadicken Thermo-Jumpsuit
  • Kopfhaube
  • eine russische Pelzmütze
  • richtig große, dicke Fäustlinge

Fiel das Bewegen ja schon in unserer eigenen Winterkleidung schwer - jetzt war es noch viel anstrengender. Das Anziehen war ja schon mal ein Workout! Wir haben uns gegenseitig helfen müssen, in diesen Astronautenanzug reinzukommen. Der Mann hier links auf dem Bild ist übrigens unser lustiger Reiseführer namens "Janne" (Spitzname "Uuno").

Ein Bus brachte uns dann direkt in den Wald. Dort warteten Sámi auf uns. Sámi - das sind quasi die Indianer in Finnland, Norwegen und Russland.  

Ich habe mir wieder einen Schlitten mit Luna geteilt. Ich saß hinten und sie vorne. Dadurch, dass sich Luna an mich lehnte und ich zusätzlich noch tausend Schichten von Kleidung trug, konnte ich mich kaum bewegen. Wie ein Seestern flackte ich bewegungslos im Schlitten und wurde gemütlich durch den Schnee gezogen. Es war total entspannend!

Weil es schon dunkel war, konnte man leider nicht viel um sich herum sehen. Es hätte sicher herrlich ausgesehen, denn wir steckten immerhin im tiefsten Wald. Irgendwie fand ich es seltsam ungewohnt, mal so rein gar nichts zu tun. Wirklich alles wurde ja für uns erledigt – selbst dann, als wir uns im Wald an ein Lagerfeuer setzten, bekamen wir Würstchen am Spieß in die Hand gedrückt. Und wenn diese auf einer Seite fertig gegrillt war, haben die Sàmileute sie selbst genommen und verkehrt herum wieder auf den Spieß gesteckt. Ich habe mich wahrhaftig gefühlt wie ein Kind. laughing

Es war ein tolles Gefühl, am Feuer neben einem echten Sàmi zu sitzen, vor allem, weil ich ja eh allgemein an „Indianern“ wahnsinnig interessiert bin. Wir durften ihnen alle Fragen stellen! Nur eine nicht, darauf hatte uns Uuno hingewiesen: nicht fragen, wie viel Rentiere sie besitzen. Denn das wäre so, als ob man fragen würde, wie viel Geld man auf dem Konto hat.

Mit diesem Hinweis im Hinterkopf habe ich mich dann lieber anderweitig erkundigt:

  • Von was leben denn Sàmi? Antwort: Die Sàmi, die ich getroffen habe, betreiben Tourismus nur im Winter. Im Sommer haben die Rentiere Urlaub und streunen frei herum. Manche Sàmi leben also von der Rentierzucht, vom Fischfang oder sogar von modernen Berufen.
  • Können auch normale Leute den Sàmi, z.B. durch Heirat, beitreten oder bleiben sie nur unter sich? Antwort: ein Sàmi kann sich aussuchen, wen er heiraten möchte. Das könnte jeder Mensch sein, ganz egal woher.
  • Welche Kleidung haben Sàmi? Antwort: Die traditionelle Bekleidung der Sami besteht aus Lederschuhen mit hochgezogener Spitze, bunten Schuhbändern, Lederhose, einem kittelähnlichen Oberteil, einem Halstuch und einer Mütze. Auf der Kleidung sind Streifen drauf in verschiedenen Farben, die sind aber von Stamm zu Stamm verschieden. Blau symbolisiert den Himmel und ist in den meisten Gegenden die dominierende Grundfarbe. Gelb steht für die Sonne, Rot für das Feuer und Grün für die Erde. Die traditionelle Kleidung wird nur noch zu besonderen Festlichkeiten verwendet, so wie bei uns Dirndl und Lederhose. Und ganz wie wir mit unseren Dirndlschleifen können auch die Sàmi ihren Lebensstand anzeigen: wenn ein Sàmi die Mützenkordel rechts hinunterhängen hat, dann ist er verheiratet. Links bedeutet Single.
  • An was glauben Sàmi? Heutzutage sind Sàmi Christen. Früher waren sie Schamanisten, d.h. sie suchten den Kontakt zur Geisterwelt über einen Schamanen.

Die Rentiere sind sehr majestätische Tiere. Sie haben sehr treue Augen - ich finde sie wunderschön. Könnten meine neuen Lieblingstiere werden! ;) Wir sollten sie aber besser nicht anfassen, denn sie sind erst vor 3 Wochen aus ihrem Urlaub gekommen und müssen sich jetzt erstmal wieder an die Menschen gewöhnen. Schließlich sind es wilde Tiere und ihre Geweihe können gefährlich werden! Als ich im Schlitten kutschiert wurde, hat mich aber das Rentier hinter mir öfters mal mit seinem Maul an meinem Kopf angestupst oder ist ganz dicht neben mir hergelaufen. Ich hatte großen Respekt, aber die Tiere waren alle ganz friedlich.

Bis zu dem Moment, als wir helfen sollten, sie zurück ins Gehege zu bringen. Das Gehege war ein riesiges Stück abgetrennter Wald – sie dort hinzubringen stellte sich als wahre Herausforderung dar. Luna wurde der Führstrick in die Hand gedrückt ganz nach dem Motto „Mach mal!“ Nami und ich halfen natürlich, aber das Rentier wollte anders als wir wollten. Es ist ein bisschen fuchsig geworden und hatte wohl seinen eigenen Kopf – es lief so schnell, dass wir gar nicht hinterherkamen! Auf einmal merkte ich, dass ich ins Stolpern geriet – und schon lag ich am Boden. Das Rentier lief ganz unbeeindruckt weiter und ich wurde ein paar Meter durch den Schnee mitgeschliffen! Nami verlor sogar bei der Rentierjagd ihren Handschuh. Wir schafften es dann endlich irgendwie, das Rentier in das Gehege zu führen („wer führt hier wen?“). Im Gehege war der Schnee so hoch, dass wir fast schon drin versanken. Ich denke, das Rentier war genauso froh wie wir, dass es uns endlich los war. Dennoch war diese ganze Aktion ziemlich lustig.

Nami sollte noch einmal helfen bei einem anderen Rentier, aber diesmal war ein Sàmi direkt bei ihr. Ich habe nicht viel gesehen, was vor sich ging, weil es ja wie gesagt sehr dunkel war. Ich hörte nur Namis Lachen, und als sie wiederkam, hat sie uns erzählt, dass sie praktisch gar keine Hilfe war, weil sie in dem tiefen Schnee kaum laufen konnte!

An diesem Abend fielen wir erschöpft, aber glücklich in unsere Betten. Wie froh wir waren, als wir diese ganze Outdoorkleidung nicht mehr tragen mussten. Sich zu bewegen, viel da auf einmal so leicht! Jetzt weiß ich, wie sich dicke Menschen fühlen müssen – jede Bewegung ist da anstrengend.

 

Samstag, 03.12.2016

Auf nach Lappland - Tag 1

Die Fahrt

Um 23.45 Uhr sollte es losgehen. Wie ich mich fühlte:

  • smile Juhuu - endlich wieder Groupleader sein und mich wichtig fühlen! Und diesmal war ja Luna meine Kollegin. Ich wusste also, wir würden gut zusammenarbeiten.
  • smile Neue Abenteuer!
  • undecided Oh jee - so viel Verantwortung als Groupleader...
  • undecided Angst vor der Ungewissheit. Ich wusste bis zu meiner Ankunft nicht, in welcher Hütte ich übernachten würde. Eigentlich wollten Luna, Nami und ich in eine Hütte zusammen ziehen, aber wir haben erst ein paar Tage nach der Anmeldungsphase erfahren, dass alle Groupleader am besten in eine gemeinsame Hütte gehen sollten, und Nami war ja kein Groupleader. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Hütten aber schon besetzt und es war unsicher, ob wir doch noch eine zusammen bekommen würden. Am Ende dachte ich schon, wir würden getrennt werden und ich würde mit quasi fremden Leuten untergebracht werden. Das hat mich sehr nervös gemacht..
  • undecided Angst vor dem nordischen Winter. Ich hatte ja schon beim Wintereinbruch in Joensuu ein bisschen Bange - mittlerweile komme ich mit diesem Winter hier ja gut klar. Aber Lappland würde sicher noch eine Runde härter werden vom Wetter her...

Die Leute waren zum Glück alle sehr pünktlich und die Abfahrt verlief reibungslos. Wir haben alle drei Stunden Rast gemacht. Und da ist es schon hart als Groupleader auf Nachtfahrten, vor jeder Pause im komplett verschlafenen Zustand eine Durchsage zu machen, wie lange die Rast dauern würde, und dann die ganzen 45 Minuten bis zur Weiterfahrt wach zu bleiben und zu warten, dass alle Leute wieder im Bus waren, obwohl man hundemüde ist. Das Zählen, habe ich gemerkt, fällt mir jetzt aber leichter als auf der Fahrt nach St. Petersburg! cool

 

Arktikum Museum

Um 9 Uhr morgens haben wir Rovaniemi erreicht. Das war aber noch nicht unser Reiseziel. Zu diesem Zeitpunkt war es noch leicht dunkel (Sonnenaufgang: 10:19 Uhr)! Es ist schon extrem hart, wenn man die ganze Nacht durchgefahren ist und es dann so spät hell wird. Ich habe mich etwas belämmert gefühlt. xD In Joensuu geht die Sonne wenigstens noch um 9 Uhr auf!

In Rovaniemi hielten wir beim sogenannten Arktikum Museum. Hier kann man Ausstellungen über arktische Regionen sehen und man kann sich ein Bild von der Geschichte und der Kultur Lapplands machen. Wir hatten leider nicht sehr viel Zeit und waren nach so einer langen Fahrt auch nicht wirklich in "Museumslaune". Das Beeindruckendste war aber die Erkenntnis, das Elche ja echt riesig sind! Und uns wurde ein Film gezeigt von Nordlichtern und ich hoffte so sehr, dass ich diese mit eigenen Augen in den nächsten Tagen sehen würde.

 

 

Santa Claus Village

Was wir auch noch in Rovaniemi machten: wir würden im waschechten Santa Claus Village den Polarkreis überqueren! Die Pfähler auf diesem Bild markieren den Polarkreis:

 

Im Santa Claus Village kann man den Weihnachtsmann persönlich antreffen - nur leider ist die Wartezeit sehr sehr lange und ein Foto kostet 25 Euro!

Wir haben uns deshalb nur das Dorf angesehen. Es ist schon toll, sagen zu können, dass man im Santa Claus Village war. Aber wir waren etwas enttäuscht, da es außer Souvenirläden und Restaurants nichts weiter gibt. Es ist ein absoluter Touristenort und ich hatte mir mehr davon erhofft... Was ich süß fand: man kann ein Formular ausfüllen mit einer beliebigen Adresse - und dieser Person wird dann ein persönlicher Brief vom Weihnachtsmann geschickt. So ein Brief ist aber teuer - wenn ich mich recht erinnere, waren es 18 Euro.

 

 

Ankunft in Saariselkä

Jetzt war es 14:30 Uhr und wir fuhren weiter zu unserem eigentlichen Reiseziel: Saariselkä. Das waren noch einmal vier weitere Fahrtstunden. Es dämmerte schon wieder - die Sonne war um 13.54 untergegangen. Mit all dieser Dunkelheit kam ich mir vor, als hätte ich zwei volle Tage im Bus verbracht und sonst nichts anderes getan. Ich kam aus der Müdigkeitsphase an diesem Tag nicht wirklich raus. Es kam mir so vor als würde mein Leben nur noch aus Leute zählen und Schlafen bestehen.^^ Der einzige Trost war der Blick aus der Fensterscheibe...

Nach 18 Stunden hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht. Ich war beeindruckt, wie viel Schnee hier lag. Ehrlich gesagt konnte ich meinen Augen nicht trauen! Es sah so aus wie auf diesen Weihnachtspostkarten. Überall Tannenbäumen vollbeladen mit Schnee, sodass der bloße Anblickein Gefühl der Friedlichkeit und Entspannung in mir drinnen hervorbrachte. Es sah wie verzaubert aus!

Das Hüttenproblem ist darauf hinausgelaufen, dass Luna, ich und zwei andere Groupleader die Hütte mit zwei fremden Lettländerinnen teilten. Die anderen Groupleader mussten getrennt woanders unterkommen und auch Nami war leider erst nicht bei uns. Aber dann entschloss sich einer von den Groupleadern, in eine andere Hütte zu wechseln und so wurde ein Platz für Nami frei. Was für ein Glück, wir konnten doch noch zusammen bleiben! Und mit der Zeit freundeten wir uns auch mit den Lettänderinnen an, die waren richtig nett!

Hier war Nami zuerst untergebracht:

Es war eine entzückende, ganz traditionelle Holzhütte. Allerdings mit sehr sehr wenig Platz für sechs Leute und kaum Fenster, sodass es sehr dunkel war. Aber: mit Sauna!

Und hier haben wir gewohnt:

 

Unsere Unterbringung war ein richtiges Haus mit zwei Stockwerken. Sehr modern und hell. Mir gefiel es zum Wohnen viel besser als die kleine Hütte. Wir hatten ein großes Wohnzimmer mit herrlichen Sesseln und einer super weichen Caoch direkt vor einem Kamin, eine Trockenkammer für nasse Kleidung und natürlich auch eine Sauna.

Noch am selben Tag sind wir zu Namis ursprünglicher Hütte gelaufen und haben den Abend mit einem Trinkspiel verbracht - ohne Alkohol (weil ja Alkohol hier so teuer ist)! Statt das Glas zu leeren, dachten wir uns eine andere Strafe aus - wer beim Spiel verlor, musste hinausrennen und sich im Schnee wälzen. Wir steigerten das Ganze immer mehr: erst nur sockenlos, dann pulloverlos und dann unterhemdlos. Ob uns das peinlich war? Naja: nebenan rannten ein paar Leute von der Sauna komplett nackt in den Schnee hinein - also waren wir da noch eher harmlos! laughing

Freitag, 02.12.2016

Die letzten Tage vor Lappland

Stell dir vor - heute Nacht um 23.45 Uhr geht es für mich los nach Lappland. Die ganze Zeit über habe ich diese Reise als Ende vom Auslandssemester angesehen, weil ich danach quasi nur noch eineinhalb Wochen hier übrig habe. Und jetzt ist die Lapplandreise gekommen! surprised Ich bin so wahnsinnig gespannt darauf!

Was ich dir vorenthalten habe: auch für diese Reise bin ich Groupleader geworden! laughing Eigentlich wollte ich mich nicht aufstellen lassen, um den anderen Leuten auch eine Chance zu geben. Diesmal wurden aber 6 Groupleader gebraucht und es haben sich nur 5 gemeldet, deshalb war ein Platz für mich frei und ich musste mich nicht schlecht fühlen. Wir haben diesmal nicht einmal eine Rede halten müssen, um gewählt zu werden, weil wir ja keinen Überschuss an Bewerbern hatten - sondern wir wurden durch ein bloßes Handheben einfach mal schnell zum Groupleader. smile

 

In den letzten Tagen vor der Reise habe ich geachtet, nicht zu viel Lebensmittel zu kaufen, weil die ja über meine Reise schlecht werden würden. Ich habe mir vor einigen Tagen zwei Karotten gekauft für 33 Cent - sonst nichts. Auf dem Weg zur Kasse ist mir eingefallen, dass in Finnland ja die 1- und 2-Centmünzen abgeschafft wurden (was echt praktisch ist, weil der Geldbeutel dann nie so richtig dick wird). Ich fragte mich nun also, welches Rückgeld ich bekommen würde, wenn ich 35 Cent bezahle.

Die Lösung: Nichts! Der 33-Cent-Betrag wurde einfach auf 35 Cent aufgerundet! xD

Vor der Reise habe ich auch noch ziemlich viel für die Uni tun müssen. Aber zwischen dem Arbeiten habe ich mir auch eine freizeitliche Pause gegönnt: Sauna!

Diesmal aber nicht möchtegernmäßig im Wohnheim, sondern in einer ganz authentischen öffentlichen Sauna! Ich habe meine Freundin Kiki mitgenommen und wir sind mit dem Bus hingefahren. Ich war von der festen Überzeugung, dass wir bis zur Endhaltestelle fahren mussten. Aber Pustekuchen - im Endeffekt sind wir viel zu weit gefahren und zu spät ausgestiegen. Déjà-vû von Kikis und meiner ungewollten Winterwanderung auf dem Weg zur Schule. xD

Aber ich fand unsre Winterwanderung-Teil-2 überhaupt nicht schlimm: mittlerweile liegt ja überall so viel Schnee wie damals, als ich im Winter in Koli war. Es war ein Traum! Wir sind ja auch quasi durch den Wald gelaufen, weil ja in Finnland praktisch überall Wald ist.

An der Sauna angekommen haben wir zwei weitere Freunde von mir getroffen. Eine Finnin Riikka und eine Deutsche Katrin, die vor einem Jahr ein Auslandssemester in Helsinki gemacht hat und sich deshalb erste Sahne mit Finnland auskennt. Die zwei haben uns gezeigt, wie man hier in die Sauna geht.

  • Erst richtig aufheizen: Die Finnen in dieser Sauna sind die Hitze natürlich gewöhnt und haben erbarmungslos - übetrieben gesagt - kübelweise Wasser auf die Steine geschüttet. Die Hitze ist hochgestiegen und hat es uns "Anfängern" ziemlich schwer gemacht zu atmen. Ich habe meistens in meine Hände atmen müssen. Wir haben es auch nicht sehr lange ausgehalten und sind dann schnell raus. Beim Aufstehen ist es aber noch heißer geworden, weil ja warme Luft nach oben steigt. Ich hatte manchmal das Gefühl, gleich zu verbrennen!

  

Ich habe dieses Bild nicht selbst gemacht, sondern habe es wie die meisten anderen folgenden Bilder aus dem Internet, aber die sind wirklich von dieser Sauna und sehen genauso aus wie ich es gestern erlebt habe.

  • Abkühlen: Und in dieser Sauna macht man das nicht etwa unter der Dusche, sondern man geht raus. Und nein, man wälzt sich nicht im Schnee. Viel schlimmer:

Dieser Weg ist ein Steg zum See. Siehst du?

Muss ich noch mehr sagen?

Ich habe beobachtet, wie Riikka ganz unbeeindruckt und selbstbewusst in das eiskalte Wasser gestiegen ist. Bis zum Hals! Das sah so aus:

Auch Katrin hatte keine Probleme. Kiki und ich haben uns nur angeschaut - jetzt waren wir an der Reihe. Öhöööm...

Ich habe den Vortritt gemacht. Riikka hat mir geraten, einfach nicht nachzudenken, was ich tue. Einfach schnell rein und wieder raus.

Ich habe es gewagt - mit zusammengekniffenen Augen und einem Quietschen! xD

Es war schreeeeeeecklich kalt! So was von eisig kalt! Nachdem ich bis zum Hals drinnen war, bin ich die Treppenstufen quasi hochgerannt, weil mir so kalt war. Aber jetzt kommt die Überraschung: 5 Sekunden lang habe ich stark gezittert und mir war schrecklich kalt. Aber dann hat mein Körper eine Hitzewelle produziert und mir wurde auf einmal warm. Mir war richtig angenehm im Bikini draußen bei -10 Grad! xD So sah das ungefähr aus - nur im Dunkeln und ohne Reporter: xD

Wir haben dieses Aufwärmen und Abkühlen innerhalb von einer Stunde noch ein paar Mal wiederholt. Es war eine tolle Erfahrung. Nach dem eiskalten Seewasser in die heiße Sauna zurückzukehren ist sehr angenehm und entspannend. Außerdem haben uns ein paar Finnen auf Deutsch angesprochen, woher wir denn kämen. Wahnsinn, wie gut die deutsch konnten. Ein Mann hat uns dann gezeigt, wie gut er im Eiswasserschwimmen ist. Er ist wirklich ohne Witz eine Minute lang im Wasser geblieben und ist hin und her geschwommen! foot-in-mouth

Die Finnen sind halt einfach sehr geübt darin. Dieses Video habe ich auf der Website der Sauna gefunden. Es gibt hier anscheinend Wettbewerbe im Eisschwimmen:

Die Sauna, die übrigens Jääkarhut heißt (finnisch für "Eisbären"), ist schon ein schönes Gebäude. Sieh dir das an:

    

Die Häuser hier erinnern mich allgemein an die USA, weil sie den gleichen Stil haben. smile

Auf dem Rückweg nach Hause haben wir diesmal schon gleich gar nicht den Bus in Erwägung gezogen - das war uns zu unsicher! xD Und außerdem ist unser Heim nur eine halbe Stunde zu Fuß von der Sauna entfernt. Und was gibt es Schöneres, als im Winter durch die finnische Natur zu laufen?

Ich habe das Gefühl, endlich Finnland voll und ganz für das wertzuschätzen, was es ist. Nun habe ich nicht die geringste Abneigung, nach Finnland gekommen zu sein. Ich habe dieses Land lieben gelernt. Und ich möchte unbedingt noch irgendwann mal den finnischen Sommer erleben. Und ganz sicher werde ich auch mal im Winter zurückkommen, um mich von diesem magischen Weihnachtsland noch einmal verzaubern zu lassen.

Dienstag, 29.11.2016

Cultural Heritage and Craft Education

Jetzt habe ich nur noch 3 Wochen in Finnland und das bedeutet, das Semester neigt sich langsam dem Ende zu. Ich hatte in meinem Lieblingskurs namens "Cultural Heritage and Craft Education" bereits schon die letzte Sitzung. Dieser Kurs ging über kulturspezifische Handarbeit und hat mir so gut gefallen, weil man selbst kreativ sein durfte und neue Techniken kennengelernt hat. Jetzt merke ich erst, was ich alles dazugelernt habe!

Im Kurs haben wir selbst ein Buch angefertigt, für das wir in jeder Sitzung eine neue Seite gestaltet haben. Mein fertiges Buch möchte ich dir nun zeigen:

Das ist die erste Seite meines Buches. Wir sollten die Namen unserer Gruppe aufschreiben und dabei unsere Kulturen repräsentieren. Die verschiedenen Schriftarten stehen für Japan (Nami), Spanien (Paula) und natürlich Deutschland. Der Fächer ist ein Symbol für sowohl Japan als auch Spanien. Das blau-weiße Banner steht für die bayerische Flagge. 

Auf der zweiten Seite siehst du mein Band, was durch das "Rigid-Heddle-Weaving" entstanden ist (ich hatte am Anfang darüber in meinem Blog  berichtet, wenn du dich daran erinnern kannst). Traditionell hat man solche Bänder früher als Gürtel benutzt oder als Führstrick für Pferde. Uns war frei, wie wir unsere Buchseite gestalten, also habe ich die verschiedensten Muster dazu gemalt, die ich in einem finnischen Museum gesehen habe. Die meisten sind typisch Finnisch, nur die rechte obere Ecke nicht - das ist Origamipapier aus Japan, was mir Nami geschenkt hat. laughing

Hier kommt die dritte Seite. Die Technik heißt Needle Felting und ist zu meiner Lieblingstechnik geworden, weil es Malen sehr ähnlich kommt und Malen ist ja eines meiner Leidenschaften. Wir durften uns das Motiv aussuchen -  ich wollte gern etwas typisch Finnisches machen. Wusstest du, dass die "Mumins" aus Finnland kommen? Man sieht hier in Finnland überall Mumindinge - auf Servietten, auf Tassen, auf Schokolade, ... und jetzt auch in meinem Buch!

In einer Sitzung haben wir Häkeln gelernt. Irgendwie ist meine Häkelarbeit zu einem Kreis geworden und ich hatte erst keine Ahnung, was ich damit anfangen sollte. Mit etwas Fantasie bin ich dann drauf gekommen, dass es Santas Bart werden könnte. Und so ist das Bild enstanden! ;) Die Origami-Kraniche haben wir zusammen im Kurs mit der Hilfe von unseren Japanern gefaltet. Und die Banner oben und unten stellen ein sehr typisches historisches Muster aus Finnland dar, was früher auf Handtücher u.ä. gestickt wurde. Ich habe es von einer Serviette ausgeschnitten, die ich in einem Café entdeckt habe.

Das waren schon alle Seiten - aber hier kommt der schwierigste Part: der Bucheinband! Wir haben uns in unserer Gruppe zusammengesetzt und jeder hat überlegt, wie wir es gestalten könnten. Meine Gruppe hatten die Aufgabe, Finnland, Japan, Spanien und Deutschland darzustellen. Jede Gruppe sollte das gleiche Design benutzen, aber die Verwirklichung selbst konnte jeder persönlich umsetzen wie er wollte. Dabei ist Folgendes herausgekommen:

Der Affe und die Kirschblüten stehen für Japan, die Sonnenblumen und die Flamencotänzerin für Spanien, das Rentier, die Tannen und die Nordlichter für Finnland und der Schäferhund für Deutschland. Es hat sehr lange gedauert, den Einband anzufertigen, weil ich die verschiedensten Techniken benutzt hatte. Stickerei, Needle Felting, Textilien, Malerei, ... Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis!

In der letzten Stunde haben wir alle Seiten zusammengebunden, damit das Buch vollendet war. Wir haben uns dann unsere verschiedenen Bücher gegenseitig vorgestellt. Ich war beeindruckt von jedem einzelnen! Sieh dir z.B. nur mal dieses hier an:

Es ist schon wundervoll: nachdem in den Gruppen keine Nationalität zweimal vorkam, waren wir alle so verschieden. Aber wir haben gelernt, unsere Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Chance zu sehen - denn nur so konnten wir unsere verschiedenen Kulturen ineinander vermischen und solch einzigartige Bücher anfertigen.

Ich habe diesen Kurs wirklich genossen - die praktische Handarbeit hat immer so eine entspannende Wirkung auf mich gehabt! Und mit der Zeit habe ich jede einzelne Person persönlich kennengelernt, da man durch die überschaubare Stadt Joensuu ziemlich oft gleiche Kurse mit denselben Leuten hat. Schade, dass er vorbei ist... Aber die Erinnerung bleibt!

     

Montag, 28.11.2016

Winterliche Finnlandstraßen

Gestern bin ich durch die verschneiten Straßen gelaufen, als an mir ein Schneeräumfahrzeug vorbeigetuckert ist. Stell dir vor, es ist sogar auch auf dem Gehweg gefahren und hat da geräumt!

Mir fällt jetzt erst auf, dass in Finnland kein Streusalz benutzt wird, siehst du:

Statt Salz werden kleine Steinchen auf die Straßen gestreut. Der Schnee wird einfach zusammengehäuft und die Berge wachsen und wachsen. Also, langsam wird's eng! laughing

Es gibt allerdings eine Straße, die komplett frei von Schnee ist: das ist der breite Fußweg der Fußgängerzone. Und weißt du, wie der schneefrei gemacht wird? Mit einer Fußbodenheizung - ganz ehrlich! laughing

   

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber mir gefällt dieser Zustand mit dem vielen Schnee überall! Es sieht einfach so verträumt und verzaubert aus! Sehr interessant ist auch, dass es anders schneit als bei uns. Meistens schneit es hier den ganzen Tag Miniflocken herab. Und wenn der Wind geht, wirbelt der Schnee herum wie das Steppengras im Wilden Westen! Weil die Winterphase in Finnland so lange dauert, gibt es in der Finnischen Sprache 40 verschiedene Wörter für "Schnee". Wenn du mehr darüber wissen willst, schau mal hier nach, da stehen alle Schneevokabeln:

Wie viele Wörter kennt der Schnee?

Außerdem muss ich dir noch etwas erzählen: als es noch wärmer war und ich immer mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren bin, ist mir aufgefallen, dass so gut wie jedes Haus eine Art Schwimmbadleiter besitzt, die zum Dach hinauf führt. Diese Fotos habe ich noch damals Ende September gemacht. Wie grün und hell es da noch war... surprised

Ich habe mir vorgestellt, dass die Leiter für den Weihnachtsmann echt praktisch sind. So würde er ganz einfach vom Dach hinunterklettern können, ohne sich durch den engen Kamin zwängen zu müssen!wink So wie man es mir aber erklärt hat, sind sie dazu da, um das Dach zu erreichen und von dort aus den Schnee vom Haus hinunterzuschieben, damit nicht zu viel Gewicht auf dem Haus lastet.

Mir gefällt die Vorstellung zum Weihnachtsmann aber besser! laughing

 

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